Mitten im Nirgendwo von Panama

April 27, 2017

Nach Panama City ging es für Gab und mich wieder an die Pazifikküste. Surfen, Pina Coladas und nette Restaurants standen auf unserer Wunschliste. Mit diesem Hintergedanken ging es am Albrook Terminal mit dem Bus für nur 3$ nach El Palmar. Das beste an der Busfahrt war definitiv das Unterhaltungsprogramm. Sie spielten meinen Lieblingsfilm „Ziemlich beste Freunde“. Natürlich auf Spanisch…Dos Amigos. „Leider“ kamen wir schon nach 1 Stunde und vor meiner Lieblingsszene (keine Arme, keine Schokolade) an unserem Zielort an.

Na gut, nicht ganz. Wir wurden mitten auf dem Panamerikanischen Highway herausgelassen.

Und während wir in Panama City noch alle 2 Sekunden von den Fahrern mit einem „Taxi?“ angesprochen wurden, ignorierten sie uns hier. Auch 10 Minuten und zahlreiche Taxis später, standen wir noch an Ort und Stelle. Also eben doch zu Fuß gehen…auf dem Seitenstreifen des Panamerikanischen Highways wohlgemerkt. Eine Einfahrt später konnten wir zumindest auf eine weniger befahrene Straße abbiegen und ich navigierte uns dank Google Maps durch die Gegend.

Und dann passierte das, was eben nur im Urlaub und in einem anderen Land als Deutschland passiert. Ein Auto fuhr an uns vorbei und kam wenige Meter weiter zum Stehen. 2 Minuten später waren schon unsere Taschen im Kofferraum und wir quetschten uns auf die Rückbank. „Wo soll es denn hingehen?“ „El Palmar, bitte.“ Was für eine Erleichterung! Es war von da aus zwar nicht mehr weit (tatsächlich dauerte das Ein- und Aussteigen länger als die Fahrt), aber ich freute mich trotzdem über diese spontane Geste der Hilfsbereitschaft!

Also stand nun die Hostelsuche auf dem Plan. Wir hatten uns zwar die Adresse heraus gesucht, aber noch nichts gebucht. Ich folgte dem blauen Punkt auf meiner Karte und landete vor verschlossenen Türen. Ach ja mega, das klappt ja gut. Ich hatte mir zu allem Übel durch all‘ die Klimaanlagen in der Stadt eine Erkältung eingefangen. Der kleine Spaziergang bei gefühlt 40° im Schatten hatte mich mega erschöpft. Bitte, lass‘ uns einfach so schnell wie möglich ankommen.

Wir irrten also weiter in dem Ort umher, ohne auch nur auf irgendjemanden zu treffen. Wir fanden eine Surfschule und die Hoffnung stieg wieder. Wie gut, dass auch dort nicht eine Menschenseele anzutreffen war. Was ich unter normalen Umständen lustig gefunden hätte, machte mich an diesem Tag einfach nur fertig. Wie gut, dass ich nicht allein war. Gab stellte mich also bei der nächsten Bank im Schatten ab und machte sich auf die Suche nach einem Hostel.

5 Minuten später die Erlösung. Es war die ganze Zeit direkt vor unserer Nase. „Bitte sag mir, dass es freie Betten hat?!“ Nun, nicht ganz. Freie Zimmer trifft es eher! Wir waren tatsächlich die einzigen dort! Das hatte ich bei mittlerweile 17 Hostels auch noch nicht erlebt. „Off the beaten path“ –so fühlt sich das also an.

Beim Spaziergang durch den Ort trafen wir zwar dann doch auf ein paar Leute, aber besonders einladend wirkte das hier auch nicht gerade. Nicht ein einziger Touri lief uns über den Weg. Dabei wurde im Reiseführer noch vom Strand mit Surfervibe geworben. Im Wasser paddelten dann vielleicht 10 Leute von einer kleinen Welle zur nächsten.

Zum Baden war der Strand jedenfalls nicht geeignet. Viele Steine machten es bei Flut quasi unmöglich, überhaupt ins Wasser zu gehen. Also doch erstmal ins Hostel, eine kleine Siesta einlegen. Was anderes konnte man hier eh nicht machen. Der Hostelinhaber half uns da auch nicht weiter und war nur mit seinem Gras beschäftigt. Und damit meine ich nicht den Rasen in seinem Garten.

Irgendwie bekamen wir die Zeit dann doch rum und suchten uns das nächste Ziel heraus. El Farallón sah da ganz vielversprechend aus und war nur knapp 30 km von El Palmar entfernt. Also ging es nach einer Nacht im vereinsamten Hostel weiter. So zunächst der Plan.

Der Hostelinhaber war wohl noch nicht ganz wach. Uns ein Taxi zu rufen wurde für ihn eine kleine Herausforderung. Im Hostel hing zwar ein Brett voller Telefonnummern von Taxizentralen, aber seine Antwort war „die Taxifahrer haben alle kein Telefon“. Hmmm, wer hat denn bitte die Flyer alle aufgehängt?

Da wir so abgeschieden waren und meine Erkältung noch schlimmer war, fiel für uns der Fußweg zum Highway aus. Nach 10 Minuten hatte der „Hostelmanager des Jahres“ dann aber endlich ein Taxi für uns organisiert. Gut, es war eher einer seiner gelangweilten Freunde, der sich ein Taschengeld verdienen wollte.

Ich sag‘ Dir, es ging von einem Highlight zum Nächsten. In El Farallón angekommen, fuhren wir zunächst durch eine riesige Hotelanlage. Na zumindest gibt es hier mehr Leute. Das Hostel war dann wieder eine Enttäuschung. Es war eine riesige Baustelle, mit nur einem fertigen Zimmer. „50$ bitte.“ Ähm, wie viel? 50 $ für ein Zimmer auf einer Baustelle war dann doch ein klein wenig teuer.

Das Bed&Breakfast um die Ecke hatte die gleichen Preise. Hatte ich erwähnt, dass ich meine Geduld an meine Erkältung verloren hatte? Aber die Inhaberin war super hilfsbereit. „Meine Freundin hat ein Hostel.“ Sie lud unsere Sachen in ihr Golfcart und wir düsten zum Taca Tucan. Eine Deutsche begrüßte uns dort und schon hatten wir unsere Betten für 15 $, inklusive Frühstück. Geht doch!

Ich würde jetzt gern vom Paradies schwärmen. Doch leider fanden wir auch dort nur einen mittelmäßigen Strand vor. So gut wie keine Cafés und Restaurants und auch sonst nichts zu erleben. Dafür eben dieses riesige Resort voller All-Inclusive-Touristen. Ohne das Armbändchen wurden wir sogar vom kleinen Weg am Strand verscheucht. „Nur für Gäste!“

Verwöhnt von Costa Rica machte sich hier tatsächlich etwas Enttäuschung breit. Es klang in den Reiseführern so nett. Aber eigentlich gab es nicht viele Gründe, hierher zu fahren. Was machen wir nur die ganze Zeit?? Noch dazu fehlte mir durch die Erkältung aber auch jede Motivation, nach einer Aktivität zu suchen. Dann doch nachmittags nur faul in der Hängematte schlafen.

Aus lauter Langeweile entschieden wir uns für eine Tour, die das Resort veranstaltete. Hmm, Tour, also gut, Kaffeefahrt. Von einer Zigarrenfabrik zum Hutmacher, von der Cashewnussplantage zur Grabstätte. Hier konnten die älteren Herrschaften der Tour ihr Geld unter die Leute bringen. Ich freute mich, dass sie die lokalen Geschäfte unterstützten und blieb mit Gab die einzigen, die nichts kauften. Es ging kreuz und quer von einem Ort zum nächsten. Zumindest erfuhren wir, wie aufwändig die Ernte und Verarbeitung der Cashews sind.

Las tumbas doradas de Panamá

In El Caño fand man diese Skelette, die zu den „Goldenen Kriegern“ und damit aus der Zeit von 250 v.Chr. stammen sollen. So bekamen wir zumindest noch ein klein wenig Kultur zu Gesicht.

Wir konnten es die ganze Zeit nicht lassen, Panama mit Costa Rica zu vergleichen. Wir wurden dem Land nicht wirklich gerecht, aber diesen Vergleich hält Panama einfach nicht stand. Gut, Costa Rica ist und bleibt mein Lieblingsland.

Wenn wir nicht gerade auf Kaffeefahrt waren oder schlafend in der Hängematte lagen, versuchten wir Orte zu finden, die einen Besuch wert waren. Bocas del Toro war für die verbleibenden Tage einfach zu weit weg. Zunächst gingen wir die nächsten Orte an der Küste durch. Doch laut Google Maps befanden wir uns schon in einem der größeren Orte. Sollen wir von Strand zu Strand fahren, nur um doch nichts zu finden?

Doch warte mal, Valle de Anton ist doch nicht weit weg. Wenn die Strände hier nicht viel zu bieten haben, warum dann nicht ins Landesinnere fahren?

Also packten wir unsere sieben Sachen und zogen weiter…

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