Cuba, Diary

Meine Tage in der Sprachschule von Havanna

Februar 14, 2017

Auf dem Weg zur Sprachschule

Am Flughafen Havanna anzukommen, ist ein Erlebnis für sich. Das Wort Flughafen ist schon eine kleine Übertreibung. Ein Rollfeld, dazu ein paar kleine, spärlich eingerichtete Hallen und viele Kubaner, die gemütlich von A nach B laufen.

Und wie ich mich für die Einreise vorbereitet hatte: Pass, Touristenkarte, Krankenversicherungsschein auf Spanisch übersetzt, Adresse meiner Unterkunft und das Ticket für die Ausreise. Was wollte die Zollbeamtin sehen? Gerade mal den Pass und die Touristenkarte.

Nach 20 Minuten am Band kam dann auch mein Koffer. Also raus und hoffen, dass mein Taxi auf mich wartet. Der Transfer zur Unterkunft war zum Glück durch meine Spanischschule organisiert. Tatsächlich wartete ein junges Mädel auf mich. Ihr Freund brachte uns dann zu der Wohnung. Nach ungefähr 20 Minuten Fahrt kamen wir in Havannas Stadtteil Vibora an. Kaputte Straßen, zum Teil sehr heruntergekommene Gebäude, kaum jemand auf der Straße unterwegs. Hmm, das war also meine Umgebung für diese Woche? Was mich wohl in der Unterkunft erwartete?

Wenn man eine simple Unterkunft erwartet und das hier bekommt…

Und ich sollte überrascht werden! Eigentlich sollte ich bei einer Gastfamilie übernachten. Doch tatsächlich hatte ich ein eigenes Apartment, welches ich mir mit einem Schweizer Pärchen teilte. Das Highlight der Unterkunft war auf jeden Fall die riesige Dachterrasse, auf der ich diese Zeilen schrieb. Zwar gab es nur einen Minitisch und 3 Stühle, aber dafür saß man draußen. Unser heißes Wasser ist definitiv Luxus. Das wusste ich spätestens, als mir die anderen Schüler von ihren kalten Duschen erzählten. Die lernte ich bereits beim Abendessen kennen.

Ein Bett ist nicht genug… Und das war wohl das modernste Badezimmer in ganz Havanna!

Während der gesamten Schulzeit hatten wir Halbpension. Von Montag bis Freitag gab es Frühstück und Mittagessen, am Wochenende dann Frühstück und Abendbrot. Perfekt also für mich, so brauchte ich mich am ersten Abend um nichts kümmern. Für einen Cocktail ging es dann im Anschluss ins Restaurant Lateral. Ich konnte nach über 20 Stunden, die ich mittlerweile auf den Beinen war, kaum noch die Augen offenhalten. Nach einer Pina Colada fiel ich tot ins Bett.

Meine erste Nacht in Havanna

Auch wenn das Frühstück am Wochenende erst um 10Uhr begann, konnte ich nicht ausschlafen. Es war so ein Lärm in den Straßen, dass ich ständig wach wurde! Mal waren es die Hunde die bellten, der Hahn der krähte, die Klimaanlage vom Haus nebenan, die sich wie ein Traktormotor anhörte, oder die Leute, die sich wahllos auf der Straße anschrien…Hatte ich erwähnt, dass es draußen in Strömen regnete? Was für eine Begrüßung!

Der Montag startete zum Glück mit etwas besserem Wetter. An diesem Wochenende waren mit mir noch 5 weitere Spanischschüler angekommen. Weil die Ehefrau des Direktors aus der Schweiz kommt, sind ungefähr 90% der Schüler aus der Schweiz. Gut, die verstand ich fast schlechter als die Kubaner.

Zurück auf die Schulbank

Nach dem Einstufungstest kam ich in die Klasse, die gerade die Vergangenheitsform übten. Wir waren nur zu viert und dementsprechend anstrengend war der Unterricht. Aber das wollte ich ja. Ich bin eh überrascht gewesen, wie klein die Klassen sind. Es gab bestimmt 6 verschiedene Level, um die sich die Lehrer kümmerten. Die meisten waren auch für mindestens 3 oder 4 Wochen hier. Da war ich mit dieser einen Woche die absolute Ausnahme. Hätte ich gewusst, wie intensiv der Unterricht ist und wie viel man lernt, hätte ich vielleicht mehr gebucht.

Nicht schlecht für ein Klassenzimmer

Da der Unterricht nur bis 13 Uhr ging, konnten wir unsere Nachmittage selbst gestalten. Die Altstadt Havannas liegt etwa 20 Autominuten entfernt. Dafür mussten wir  zu einer bestimmten Straße laufen, an der die sogenannten Colectivos fahren. Das sind quasi Taxis, die eine bestimmte Strecke immer auf- und abfahren. Jede Fahrt, egal wie lang oder kurz, kostet dabei umgerechnet 50 Cent, die man am Ende bezahlt. Man fragt den Fahrer vorm Einsteigen nach der Richtung und dann sagt man dem Fahrer Bescheid, wenn er wieder halten soll.

Mit dem Colectivo in die Altstadt

Viel verwirrender ist es eigentlich, überhaupt so ein Taxi anzuhalten. Man stellt sich an die Straße und macht eine bestimmte Handbewegung. Wenn ich in die Altstadt wollte, musste ich den Arm zur Straße ausstrecken, aber dann auf mich zeigen. Wollte ich zurück nach Vibora, zeige ich in die Richtung. Aber dann muss man den Fahrer nochmal fragen, ob er auch wirklich dorthin fährt. Beim Vorbeifahren machen sie auch oft selbst Handbewegungen, die ich auch nach einigen Fahrten nicht verstanden habe. Ich war trotzdem stolz, als ich es ohne Hilfe geschafft habe. So saß ich mal auf umfunktionierten Ladeflächen zwischen ein paar Kubanern eingeklemmt, oder eben auch zu viert auf einer Rückbank. Ach und Anschnallgurte habe ich noch in keinem Fahrzeug entdeckt.

Nur ein Schüler auf dem Weg zum Unterricht…

Während der gesamten Zeit war ich nie allein. Wenn es nicht in die Stadt ging, dann eben in die Sonne der Dachterrasse vom Apartment. Abends gingen wir meistens in unserem Stadtviertel essen und ließen so den Abend ausklingen. Ich war abends tatsächlich oft so kaputt, dass ich innerhalb kürzester Zeit einschlief.

Das alles hört sich so erst mal gar nicht schlecht an. Es war alles top organisiert und dennoch hat mich diese Woche total aufgewühlt. Schuld waren weder die Lehrer noch die Schüler. Es war dieser Stadtteil. Ein Stadtteil, der mir fernab der Touristen das wahre Gesicht von Havanna gezeigt hat.

Was genau mich so aufgewühlt hat, beschreibe ich ausführlich in einem separaten Post!

Vorher nehme ich Dich auf einen Spaziergang durch den Stadtteil Vibora mit, so wie ich ihn jeden Tag machen konnte…

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