Colombia

Medellin II – Vom Stromausfall im Fußballstadion, Streetart und einem Leben auf der Müllkippe

Mai 29, 2017

Vamos mi Nacional

In Medellin kann man locker eine Woche verbringen, ohne sich auch nur einen einzigen Tag zu langweilen. So ging es mir zumindest. Und was gehört zu einem Trip in die Stadt unbedingt dazu? Natürlich ein Fußballspiel! Zum Glück gibt es in Medellin 2 Teams und Atletico Nacional hatte in den Tagen ein Heimspiel.

Im Uber fuhren wir zum Stadion und waren direkt von den Leuten beeindruckt, die alle bestens mit Trikot ausgerüstet und allerbester Laune waren. Wir hatten noch keine Tickets – es wird bestimmt einen Schalter dafür geben. Das stellte sich vor Ort aber tatsächlich als etwas komplizierter heraus, als gedacht. Ein typischer Ticketcounter wie bei uns war nirgends zu finden. Und egal, wen wir fragten, jeder schickte uns woanders hin.

Beim Souvenirshop gab es dann endlich die Tickets für umgerechnet ca. 7 Euro. Ein paar Jungs im Hostel empfahlen uns die Südkurve. Als uns einer der Polizisten fragte, wo wir denn hinwollen, schaute er nur erschrocken. „Aber die Kurve ist doch gefährlich, da solltet ihr nicht hin!“ Ähm, nun, zu spät.

Also standen wir zwischen grölenden Fußballfans, die 90 Minuten lang ein Lied nach dem anderen sangen. Das nenne ich Durchhaltevermögen. Auch wenn es höchstens 5% Mädels in der Südkurve gab, war es absolut ungefährlich. Gut, als ein Tor fiel, fielen auch ein paar Jungs auf uns. Aber sie halfen uns wieder auf die Beine und schon ging der Gesang weiter.

Wenn es plötzlich dunkel wird

Der Stromausfall kurz vor Ende des Spiels war da etwas gruseliger. Da das Spiel erst um 18Uhr begann, war es mittlerweile stockdunkel. Es leuchteten nur noch die Handys der Leute und der Gesang kam mir noch lauter vor.

Keine wusste, wann oder ob überhaupt es weiter geht. Nach über 10 Minuten ging das Licht dann aber zum Glück wieder an und Atletico Nacional gewann das Spiel mit 1:0.

Würde ich wieder hingehen? Vermutlich nicht in die Südkurve. Wie der Beton durch das Springen der Leute gebebt hat, war schon ein mulmiges Gefühl. Aber ich bin froh, dabei gewesen zu sein!

Ein Spaziergang durch El Poblado

Nach so viel Action durfte es auch mal etwas ruhiger zugehen. Ein Spaziergang durch das Viertel Poblado ist da genau richtig. Hier konnte ich stundenlang von Café zu Café gehen, die Graffitis bestaunen und die Atmosphäre genießen.

 

Vom Leben auf der Müllkippe bei der Barrio Transformation Tour

Nach der Real City Tour war ich so begeistert, dass ich direkt die nächste Tour gebucht habe. Die Barrio Transformation Tour.

Dieses Mal führte uns Pablo in eine ganz andere Welt mitten in der Stadt. Es war der Berg von Moravil. Von außen betrachtet nur ein Hügel mit einem Gewächshaus.

Geht man ein paar Schritte weiter, findet man einfache, heruntergekommene Häuser. Vor nicht einmal 30 Jahren lebten hier Flüchtlinge auf einer Müllkippe. In der Stadt gab es für sie keinen Platz, also bauten sie die Hütten auf dem Müll. Der Berg wuchs und wuchs und es wohnten bis zu 80.000 Menschen im Dreck! Als die Regierung schließlich etwas tat und entsprechend Wohnungen für sie baute, konnten die Menschen umziehen. Jedoch blieben einige aus Protest dort und leben noch immer in einer dieser Hütten. Jetzt erinnern sie an die düstere Zeit!

 

Diese Tour kann ich wie schon die Real City Tour absolut empfehlen. Über 3 Stunden lauschten wir den Geschichten! Was für ein Kontrastprogramm!

Hier erkennt man ziemlich gut, dass zwischen dem Rasen und dem Müll nicht einmal 20cm liegen…

Und mit dieser Aussicht verabschiedete sich Pablo von uns.

Medellin, du wirst mir fehlen

An jeder Ecke kann man die Verwandlung der einst gefährlichsten Stadt der Welt spüren. Und habe ich mich unsicher gefühlt? Nicht ein einziges Mal! Ob nachts nach der Party oder tagsüber allein in den Straßen oder der Metro…Es gab keinen einzigen Moment, in dem ich mich unwohl gefühlt habe! Im Gegenteil. Ich habe jeden Tag genossen und würde jederzeit wiederkommen!

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