Im Nachtzug durch Vietnam, Teil I oder: „Die Hölle auf Schienen“

August 26, 2016

Ein Nachtzug ist bequem…haben sie gesagt.
Ein Nachtzug ist super praktisch…haben sie gesagt.
Ein Nachtzug macht das Reisen einfach…haben sie gesagt.

Vietnam ist flächenmäßig fast so groß wie Deutschland. Erstreckt sich aber über dreitausend Kilometer und macht den Weg von Nord nach Süd zu einer langen Reise. Da die Straßen nicht die besten sind, überwindet man weite Strecken am besten mit dem Nachtzug. Wenn man dann durch die Nacht fährt, spart man eine Übernachtung im Hotel und wacht am nächsten Morgen auch noch an einem neuen Ort auf. Win-Win-Situation also.

Ja, das dachte ich vor meiner ersten Fahrt im Nachtzug in Vietnam auch. Es ging von Ho Chi Minh nach Nha Trang. Mehr als gespannt, machten wir uns gegen 20 Uhr auf den Weg. Zu viert teilten wir uns eine Kabine, 2 Betten übereinander auf jeder Seite. Das versprach lustig zu werden. Gut, mit 1,80m enstprach ich nun scheinbar nicht dem Durchschnittsmaß eines Vietnamesen und passte gerade so in das schmale Bett. Also eigentlich nicht. Aber in Fötusstellung ging das schon irgendwie.

Nachtzug Vietnam

Noch schnell ein Handyfoto, bevor die Nacht einbricht

Das wir in dem Nachtzug quasi die Luxuskabine hatten, sah ich erst auf dem Weg zum Speisewagen. Oh man, ich sag nichts schlechtes mehr über unsere 5 Sterne Unterkunft…Von Waggon zu Waggon wurde der Zustand immer schlimmer. Zuerst kamen wir an Kabinen mit 6 Betten vorbei. Die Kabinen waren natürlich genauso groß wie unsere, nur eben ein Bett mehr pro Seite. Im nächsten Abteil gab es schon keine Betten mehr. Nur noch gepolsterte Sitze, die aber auch mehr an Flugzeugkabinen erinnerten. Das Polster ging ihnen scheinbar schnell aus. Im nächsten Abteil waren es nur noch Holzsitze. Dann gab es wohl auch die nicht mehr und die Einheimischen teilten sich schlichte Holzbänke. Der Speisewagen selbst hatte auch schon bessere Zeiten…

Zum Luxusspeisewagen gehören natürlich Zigarettenstummel auf dem Boden

Zum Luxusspeisewagen gehören natürlich Zigarettenstummel auf dem Boden

Als wir uns mit einer Instantnudelsuppe die ganze Situation genug schön geredet hatten, machten wir uns wieder durch den Nachtzug auf den Weg zurück zu unserer Kabine. Spätestens da war dann für mich aber der Spaß vorbei.

Die Holzbänke an sich waren ja schon grausam genug. Jetzt aber hatte sich die Anzahl der einheimischen Reisenden gefühlt verdoppelt. Sie nahmen jeden Platz ein, der sich ihnen bot. Sie lagen kreuz und quer. Kurzerhand hatten sie ein paar Zeitungen auf dem Boden ausgebreitet. Sie lagen auf und unter den Bänken oder einfach direkt im Gang. Mit riesigem Kloß im Hals mussten wir über sie rübersteigen. Ganz egal ob jung oder alt, es schien für sie so selbstverständlich zu sein, dass die meisten nicht mal aufwachten. Selten kam ich mir mehr wie eine verwöhnte, reiche Göre vor!

Dankbar rollte ich mich auf meine Liege ein. Und was es für eine Nacht werden sollte! Bei jedem Halt wurde man fast aus dem Bett geschleudert. Scheinbar funktionierte nur die Bremse im ersten Waggon. Wenn dieser zum Stehen kam, prallten die restlichen Waggons einfach lautstark ineinander. Beim ersten Halt dachte ich noch, ein anderer Zug wäre in uns reingefahren. Dann wusste auch die Klimaanlage nicht so richtig, was sie machen sollte. Im oberen Bett lag ich direkt unter der Lüftung. Es war plötzlich so kalt, dass ich mir halb erfroren noch schnell Schlafsack und Pulli überziehen musste. Das war das einzige Mal in 4 Wochen Asien, dass ich gefroren habe. Nur um dann kurz vorm Ersticken wieder alles von mir zu schieben, weil die Klimaanlage plötzlich aus war. Das wir wohl zu fünft in unserer Kabine waren, konnte ich dann an meinen neuen Mückenstichen ablesen. Aber als ich wieder an die Einheimischen in den anderen Waggons dachte, blieb mir das Gejammer im Hals stecken. Trotzdem war ich froh, als der Morgen anbrach und wir den Nachtzug verlassen konnten!

Und mit diesem Ausblick wurden wir dann belohnt:

Vietnam

Gut, eine von drei Nächten im Zug geschafft. Jetzt wusste ich ja, worauf ich mich einstellen konnte.
Oder auch nicht. Dass die zweite Tour mit dem Nachtzug dies noch toppen würde, konnte ich ja nicht ahnen!

Wie wir den Nachtzug fast verpasst hätten und welche stinkende Überraschung auf uns wartete, liest du hier!

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