Ich habe Boliviens Death Road überlebt

Juni 27, 2017

Wer nach La Paz kommt, kann ein Abenteuer nicht übersehen. An jeder Ecke findet man entweder Werbung dafür, oder einen Überlebenden, der das stolz auf seinem T-Shirt preisgibt: Die Death Road.

In über 4.000 Metern Höhe beginnt ein Schotterweg, der sich in Serpentinen am Berg herunter schlängelt. Mit mehr tödlichen Unfällen als irgendwo sonst auf der Welt, bekam die Straße den Namen Death Road. Also die Straße des Todes!

Und was macht man als kluger Geschäftsmann daraus? Man schickt lebensmüde Touristen auf Mountainbikes herunter!

Auch ich hatte vor meiner Ankunft bereits von der Death Road gelesen. Ich bin ja bei besonderen Abenteuern schnell Feuer und Flamme. Aber ich muss zugeben, so ganz sicher war ich mir nicht, ob ich es wagen sollte.

Darum quetschte ich jeden darüber aus, der es bereits hinter sich hatte. Alle waren begeistert! Was sagte Mutti dazu? „Das machst Du auf keinen Fall!“ Ups, da hatte ich schon gebucht.

Morgens um 7 Uhr ging es also los. Hätte ich doch mal am Abend zuvor nicht bis 1 Uhr nachts im Hostel gefeirt. Todmüde schleppte ich mich in den Minibus, der mich, 7 weitere Verrückte und die Räder den Berg hinauffuhr.

Wir wurden mit Helmen, Ellenbogen- und Knieschützern sowie einer Jacke und Hose ausgestatten. Als letztes Mahl gab es Brötchen mit Marmelade. Na das hätte ich mir besser ausgesucht.

Doch schon ging es auf die Räder. Zunächst ging es auf der asphaltierten Straße den Berg hinunter. Schnell nahmen wir Tempo auf. Die anderen rasten nur so an mir vorbei. Ich bin doch nur mit meinem gemütlichen Damenrad in der Stadt unterwegs. Sooo schnell bin ich noch nie mit dem Fahrrad gefahren. Da wurde mir also schon das erste Mal etwas mulmig. Na das kann ja was werden…

Nach 20 Minuten erreichten wir die eigentliche Death Road. Jetzt ging es auf den Schotterweg, mal sehr schmal aber höchstens ein paar Meter breit und ohne Begrenzung. Den Abgrund konnten wir aufgrund der Wolken zum Glück kaum sehen. Aber man konnte noch ganz gut erahnen, wie steil es da herunterging.

Also Augen zu und durch. Gut, die Augen blieben besser auf. Es war ziemlich holprig und da es bergab ging, nahm ich schnell wieder Geschwindigkeit auf. Oh je, dass war ein Gepolter und Geschüttel auf dem Rad. Ich ließ die Bremsen kaum locker und krallte mich etwas verkrampft am Lenkrad fest.

Ich hatte etwas Ähnliches noch nie zuvor gemacht. Es könnte also sein, dass die Death Road für die Jungfernfahrt der falsche Ort ist. Aber ich habe dafür bezahlt, also zieh ich das jetzt durch! Hmm, das hatte ich mir beim Bungee Jumping auch gesagt. Na wird schon werden.

Wie können die anderen nur so schnell sein? Wir hielten immer wieder für kleine Pausen an. Entweder stand ein Fotoshooting an, oder ein paar Snacks bereit. Da konnte ich etwas durchatmen, bevor es auf die nächste Etappe ging. Ich alberte schon rum, ich sei die Oma der Gruppe, wo ich doch immer zum Schluss eintrudelte. Aber bei einer Gruppe, die fast ausschließlich aus Jungs besteht, eigentlich kein Wunder.

Zugegeben, ich war die ganze Zeit so auf das „Bitte-nicht-hinfallen“ konzentriert, dass ich von der Aussicht gar nicht viel mitbekommen habe. Doch unter einem Wasserfall hindurch zu fahren war schon besonders.

Ich kann aber nicht leugnen, dass ich mega froh war, ohne Sturz unten angekommen zu sein. Das kann man deutlich auf meinem Gesicht sehen.

Zum Glück wurden wir mit den Klamotten ausgestattet. Wir sahen vielleicht aus hinterher…Nein, ich hab mir nicht vor Angst in die Hose gemacht!

War ich froh, es gemacht zu haben? Ja!

Würde ich es wieder tun? Nein!

Aber ich würde es trotzdem weiterempfehlen. Alle hatten einen riesen Spaß und es ist ja nicht jeder so verkrampft auf dem Rad unterwegs wie ich 😉 Auch wenn der Abgrund so einige Male ziemlich einschüchternd war, so kann man sein Tempo selbst bestimmen und das Risiko minimieren. Ja, man kann ungebremst tausende Meter nach unten stürzen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber minimal!

Würdest Du Dich trauen?


So buchst Du die Death Road

Es gibt hierfür Anbieter wie Sand am Meer. Ich hatte mich für Altitude Adventures entschieden. Sie haben gute Bewertungen bei Trip Advisor und da ich vorab mit Bolivia Hop unterwegs war, bekam ich einen Rabatt.

Die Ausrüstung, ein paar Snacks und die Fotos hinterher sind im Preis enthalten.

Ich buchte meine Tour einen Tag im Voraus in deren Office ( 265, Santa Cruz, La Paz) und zahlte ca. 75 USD.

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