Die Geschichte hinter dem Foto

Januar 26, 2017

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Und doch können sie manchmal so ganz und gar nicht die wahre Situation widerspiegeln. Wie auf diesem Foto!

Es ist ein sonniger Tag in Léon, Nicaragua.

Eigentlich sitze ich da nur gemütlich mit einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank und wir trinken einen Fruchtshake zusammen.

Eigentlich…

Zehn Minuten vor dem Foto

Gerade zurück vom Volcano Boarding wollten wir uns einfach nur den Nachmittag in der süßen Stadt Léon vertreiben. Mit einem frisch gepressten Fruchtshake machten wir es uns auf einer Bank gemütlich und beobachteten das Treiben. Plötzlich tauchten 2 kleine Kinder auf. Sie bettelten nach Geld. Meine damalige Reaktion lässt mir im Nachhinein einen Schauer über den Rücken laufen! Ich schaute weg und zog meine Wertsachen an mich. Sofort hatte ich wieder die Geschichten von organisierten Banden im Kopf, die Kinder zur Ablenkung losschicken und einen unbemerkt ausrauben. Davor warnt einen quasi jeder Reiseführer… Vor Kindern, die aus Mitleid mehr bekommen und dann für solche Zwecke missbraucht werden – das dürfe man nicht unterstützen. Auch in Kambodscha riet uns unser Guide davon ab, etwas von den bettelnden Kindern zu kaufen. Sie „schwänzen“ deswegen die Schule. Um das nicht noch voran zu treiben, also besser ignorieren.

Doch hier ist es anders

Ich war mit meinem Tourguide unterwegs. Er konnte sich natürlich auf spanisch mit den beiden Kindern unterhalten. Die Eltern schufteten bei ihren Jobs, um gerade so die Rechnungen zu bezahlen. Also waren die beiden Kindern allein unterwegs. Gerade mal 5 und 6 Jahre alt, liefen sie von einem Touri zum nächsten und durchsuchten auf dem Weg die Mülleimer nach Essen. Wir gaben Ihnen unsere Drinks, die sie durstig verschlangen. Sie sind auf die fremde Hilfe wirklich angewiesen und ich dachte nur an meine Wertsachen!

Ganz toll, Nadine!

Wie sie dann auf ihrer Suche nach etwas Essen weiter zogen, brach mir das Herz! Und jetzt frage ich mich, warum wir ihnen nicht noch etwas gekauft haben?! Wie blind kann man eigentlich sein??

Dafür habe ich am Abend eine andere tolle Geste erlebt. Die Leute, die im Restaurant ihr Gericht nicht schafften, ließen es sich einpacken. Aber nicht, um es an einem anderen Tag zu essen! Sie gaben es dem nächsten Obdachlosen, der ihnen über den Weg lief. Das ist doch tausend mal besser als es wegzuschmeißen! Das war mir tatsächlich nur in Nicaragua aufgefallen.

Auch eine andere Geschichte meines Tourguides berührte mich sehr. Er war mit einer Reisegruppe in einem Restaurant in Guatemala essen und wunderte sich, warum die Teller nicht abgeräumt wurden. Als sie gingen, wurde seine Frage geklärt. Sobald die Gäste den Tisch verließen, nahmen die Angestellten kurz Platz um die Reste zu essen. Völlig geschockt konnte er jeden in seiner Gruppe dazu animieren, das eigene Essen und noch eine weitere Portion für einen der Kellner zu bezahlen. Sie sollten nicht hungrig die Reste zusammen kratzen, sondern eine eigene, vernünftige Portion bekommen.

No one has ever become poor by giving

Ich muss seitdem oft an dieses Zitat von Anne Frank denken!

Es ist durch organisierte Banden leider sehr schwer geworden, die Hilfebedürftigen von den Kriminellen zu unterscheiden. Die Warnung vor den Taschendieben kommen letztendlich auch nicht von ungefähr. Aber man kann es zumindest versuchen.

Mich ärgern auch immer wieder die Personen, die sich damit schmücken, besonders gut feilschen zu können und bei einem Händler bis ins Bodenlose herunter zu handeln. Klar, man will nicht übers Ohr gehauen werden und Handeln gehört in vielen Ländern einfach dazu. Ich wurde auch schon von einem Taxifahrer zum falschen Ort gebracht und bei einem lief der Taxameter viel zu schnell.

Aber man sollte immer bedenken, dass es den Verkäufern meistens viel schlechter geht und sie davon ihre ganze Familie ernähren. Ihr Monatsgehalt geben wir an einem normalen Samstag Abend beim Weggehen aus. Uns tut es also nicht weh, auch mal den Touri-Preis zu bezahlen. Und wenn einem der Preis nicht gefällt, muss man es nicht kaufen!

Ich bin schon sehr gespannt, was bald in Kuba auf mich zukommt. Auf mehreren Blogs konnte ich schon Storys lesen, dass die Touristen nur noch als wandelnde Geldscheine gesehen werden und man überall bewusst übers Ohr gehauen wird. Vielleicht schaffe ich es ja, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen!

Hast Du etwas Ähnliches erlebt? Wie gehst Du damit um, wenn Du angebettelt wirst oder Obdachlose siehst?

 

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